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Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt: Grubenfahrt in Ibbenbüren bei RAG Anthrazit

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Ein Pageflow von:
Matthias Jung

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Ein grauer, stürmischer Februarnachmittag.
Es dämmert schon.
Vor mir eine schmale Öffnung.
Mit den schweren Stiefeln stolpere ich hinein.
Vierzehn Menschen stehen schließlich eng gedrängt.
Die Abdeckung fällt herunter und schon geht es los.
Mit acht Meter in der Sekunde stürzen wir hinab.
Es ist dunkel.
Keiner redet.
Jeder ist mit seinen Gedanken beschäftigt.
Allmählich wird es wärmer.
Nach zwei Minuten bremst der Korb.
Wir sind auf 1300 Metern.
Tief unten im Nordschacht von RAG Anthrazit in Ibbenbüren.

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Wir verlassen den Förderkorb.
Kein Mensch ist zu sehen, dafür Leitungen, Rohre, Förderbänder, Treppen...
Langsam setzen wir uns in Bewegung.
Mit der Grubenlampe leuchte ich voraus.
Es ist uneben, streckenweise rutschig.
Etwa drei Kilometer liegen vor uns.
Die Füße tun mir schon weh in den ungewohnten Stiefeln.
Es ist angenehm warm, um die 25 Grad.
Noch haben wir Luft.
Ab und zu machen wir kurz Halt.
Wir bekommen die Belüftung erläutert.
Erfahren, wie lange der Notarzt im Ernstfall braucht.
Ich verliere jedes Zeitgefühl.
Der Schweiß fängt an zu laufen.
Wir begegnen lange keinem Kumpel.
Nur die Maschinen sind zu hören und das Rattern des Förderbands.

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Irgendwann kommen wir zu ein paar Bänken.
Pause.
Helm runter, Schweiß abwischen.
Trinkflasche raus und ich nehme einen großen Schluck.
Komisch, es fühlt sich nicht so an als seien wir mehr als einen Kilometer unter Tage.
Wie ist das wohl Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr um Jahr hier unten zu arbeiten?
Hochachtung vor der Arbeit der Kumpel macht sich breit.
Nur kurz, es ist keine Zeit für tiefere Gedanken.
Unser Begleiter gibt schon wieder das Zeichen zum Aufbruch.

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Irgendwann sind wir am Ziel.
Vor mir ein Loch.
76 Zentimeter hoch.
Der Streb liegt vor uns.
Jetzt heißt es krabbeln.
Erst noch die Lampe am Helm befestigen.
Dann hinein in die Enge.
Rechts von mir und über mir das schützende Schild.
Links das Transportband.
300 Meter soll der Streb lang sein.
Die Kumpel machen diesen Weg pro Schicht mehrmals.
Kaum zu glauben.
Wir müssen uns nur 25 Meter hindurch winden.
Mir reicht das auch.
Dann heißt es hinsetzen.
Gegenüber an der Wand glitzert es.
Das ist sie, die Kohle.
Ein Moment der Ehrfurcht.
Millionen Jahre lag sie im Dunklen, jetzt kommt sie ans Licht.
Der Hobel kommt von links heran gerauscht.
Ein Riesending, vielleicht fünf Meter lang.
3 cm hobelt er ab pro Vorbeifahrt.
Nach einer Weile kommt er von rechts zurück.
Dann bewegt sich etwas.
Ich erschrecke kurz, dann merke ich:
Das Förderband gleitet nach vorn, 6 cm.
Und das Schild über mir ebenso.
10 Meter pro Tag fräst sich die Maschine durch den Berg.
Und hinter ihr fällt in kürzester Zeit wieder alles zusammen.
Wahnsinn.

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Wir kriechen zurück.
Das geht überraschend flott.
Aufrichten, strecken, durchatmen.
Das war schon eng ...
Kurze Pause.
Dann geht es zurück durch die endlosen Gänge.
An einer Aufstiegstation machen wir halt.
Unser Begleiter stoppt das Förderband.
Wir steigen auf, legen uns auf den Bauch.
Mit einem kleinen Ruck geht es los und wir rasen durch den Berg.
Das macht Laune!
Zweimal heißt es umsteigen.
Stoppen, runter vom Band.
Ein paar Meter weiter bis zum nächsten laufen, hochklettern und weiter.
Das ist echt irre.
Viel zu schnell ist es vorbei.

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Müde und hungrig quetschen wir uns erneut in den engen Korb.
Abdeckung runter und es geht hinauf.
Es wird schnell kälter.
Und schon ist es vorbei.
Der Korb hält, wir steigen aus.
Dunkel ist es hier oben geworden.
Es regnet und ist ziemlich frisch.
Unsere Grubenfahrt hat ein Ende.
Es geht zurück zum Hauptgelände.
Foto, klar, das muss sein.
Stiefel aus, Helm runter, Gürtel ab.
Dann Imbiss, mit ungewaschenen Händen.
Vor der Dusche und der Heimfahrt.

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Unter Tage dürfen wir nicht fotografieren. Dieses Video aus dem Jahr 2002 gibt aber die Atmosphäre und die Abläufe gut wieder.

Das beeindruckende Abhobeln der Kohle im Streb wird ab 17:16 beschrieben.

(Warum das Video bei 17:20 und nicht am Anfang beginnt, keine Ahnung...)

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Als ich 2014 nach Osnabrück ziehe um als Referent im KDA der hannoverschen Landeskirche zu arbeiten, kommt die Zeche Ibbenbüren in meinen Blick. Sie liegt nur ein paar Kilometer hinter der nahen Landesgrenze.

Ich erinnere mich daran, dass der heutige Arbeitsdirektor Jörg Buhren-Ortmann 1992 Gründungsmitglied des synodalen Fachausschusses des KDA im Kirchenkreis Dinslaken war. Und den Öffentlichkeitsbeauftragten Uwe Reichow kenne ich auch noch vom Niederrhein her. So entstand die Idee einer Grubenfahrt für Menschen, die an verschiedenen Stellen in Kirche tätig sind, aber noch nie unter Tage waren.

Unsere Grubenfahrt war eine der letzten, die für Besuchergruppen möglich war. Ende 2018 schließt auch diese Zeche. 

Mehr zu "meiner" Geschichte mit dem Bergbau seit 1992 gibt es hier: 
Grubenfahrt in Ibbenbüren oder: Meine Geschichte mit dem Steinkohlebergbau von 1992-2016



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Matthias Jung
Referent im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt in den Sprengeln Osnabrück und Ostfriesland-Ems

Anna-Gastvogel-Straße 1
49080 Osnabrück

0160 97 20 10 85
jung [at] kirchliche-dienste.de

Der KDA ist Teil des Hauses kirchlicher Dienste der ev.-luth. Landeskirche Hannovers.

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